Reisen – egal ob allein oder mit anderen – hat viel mit Freiheit zu tun. Aber auch mit kleinen Tricks, die unterwegs einen Unterschied machen können. Nichts davon ist spektakulär. Es sind eher kleine Gewohnheiten und Strategien, die Stress rausnehmen und dabei helfen, etwas Besonderes zu erleben, anstatt zu kämpfen. Alles klar? Dann starten wir los.
Man verlässt sich gerne darauf, dass unterwegs alles digital funktioniert. Tut es nur nicht immer. Wenn die eSIM zickt oder man nicht sofort eine lokale SIM-Karte kaufen kann, um auf den Währungsrechner oder die Adresse der Unterkunft zurückzugreifen, ist man froh über ein paar analoge Notizen.
Mein Reise-Geheimnis: Ich schreibe mir vor jeder Reise 3 Dinge raus. Entweder auf einen Schmierzettel oder als Notiz im Handy.
Einer der größten Luxusfaktoren beim Alleinreisen ist Flexibilität. Ein, zwei Tage mehr oder weniger – alles deine Entscheidung. Mit Bus, Auto, Fahrrad oder Bahn ist das meist kein Problem, bei Flugreisen schon. Denn verlässt man als EU-Bürger den EU-Raum, darf einen die Airline nicht ohne Rück- oder Weiterflugticket boarden lassen (um sicherzustellen, dass man aus dem jeweiligen Land wieder ausreist und die Visumsbestimmungen einhält).
Mein Tipp: Ich umgehe das Ganze mit dem Kauf der Reservierungsnummer eines vermeintlichen Rück- und Weiterflugtickets bei Onward-Ticket. Es gibt auch andere Anbieter, aber die habe ich nicht selbst ausprobiert – und nein, ich kriege keine Cent für die Erwähnung.
Diese Reservierungsnummer ist zwischen 24 Stunden und 48 Stunden gültig, sollte also kurz vor Abflug gemacht werden. Ich gebe irgendein Datum ein, das die Visumsbestimmungen im besuchten Land nicht verletzt. Für Airlines oder die Immigration-Officer am Zielort sieht alles sauber aus, man erfüllt die Einreisebedingungen, aber man muss sich noch nicht entscheiden, wie lange man wirklich bleibt.
Weil bei diesem Punkt immer tausend Fragen kommen, erkläre ich die Details dazu in einem eigenen Artikel auf meinem Blog, denn es gibt ein paar Dinge zu beachten.
Wenn ich in fremde Städte reise, mache ich fast immer als Erstes eine „Free Walking Tour“. Die gibt’s mittlerweile in fast jeder Stadt, einfach mal „Free Tour + Destination“ oder „Free Walking Tour + Destination“ googeln.
„Free“ heißt nicht gratis im klassischen Sinne. Man zahlt am Ende das, was einem die Stadtführung wert war, manchmal gibt es einen vorgeschlagenen Mindestbetrag.
Die Guides selbst geben oft brauchbare Restaurant-Tipps, und man kann sie alles fragen, was man zu Gepflogenheiten oder Eigenheiten dieser Destination wissen will: Wie ist das mit Trinkgeldern hier? Welche Teile sind nicht sicher, wo muss ich aufpassen?
Gleichzeitig trifft man andere Reisende. Gespräche entstehen fast automatisch, und nicht selten endet die Tour bei einem gemeinsamen Essen. Einzige Voraussetzung: Man muss fleißig Hallo sagen 🙂 Wer still neben den anderen herläuft, wird auch eher in Stille bleiben, if you know what I mean.
Viele haben Schiss davor, Urlaub oder einen Wochenendtrip ohne Begleitung zu machen.
Und ich verstehe das, es ist erst mal ungewohnt.
Aber allein reisen heißt nicht, einsam im Hotelzimmer zu hocken und sich zu denken: „Keiner mag mich“ (solche Gedanken bitte gleich aus dem Kopf streichen). Es war noch nie leichter, unterwegs Leute kennenzulernen – und eine wichtige Rolle dabei spielt das Internet.
Beim Reisen hilft es, auf Facebook nach Schlagwort-Kombinationen wie Expats + Stadtname oder Digital Nomads + Destination oder Reise + Frauen zu suchen. Fast jede größere Stadt hat mittlerweile aktive Communities. Dort kann man Fragen stellen, nach Tipps fragen oder einfach schreiben, dass man neu ist und ob vielleicht jemand auch gerade da ist, der auf einen Drink gehen will.
Für Frauen gibt es auch ein paar spezielle internationale Communities, wo man Reisepartnerinnen finden oder sich Inspiration holen kann:
Girls Love Travel, Girl Gone International oder die FB-Gruppe @The Solo Female Traveler Network.
Was will ich eigentlich sehen in diesem Urlaub bzw. während dieser Reise? Was will ich erleben, fühlen, Neues lernen?
Das klingt erst mal banal.
Aber meine Erfahrung ist: So eine Liste zu schreiben ist einer der wichtigsten Reiseschritte überhaupt.
Ich habe z.B. in Rio angefangen, Samba zu tanzen, einfach weil mich der „Sexy Latina“-Neid gepackt hat und ich meinem steifen Hüftschwung satt hatte. In Thailand habe ich getöpfert, weil ich völlig verliebt war in das Geschirr dort. In Mexiko habe ich einen Sprachkurs gemacht, damit ich nicht wie ein Touristentrottel herumstammle und wenigstens die wichtigsten Höflichkeitsfloskeln beherrsche.
Mein Punkt ist: Nicht darauf warten, dass Sehenswürdigkeiten und die Empfehlungen der anderen einen erfüllen. Aktives Erleben verändert, wie sich ein Ort anfühlt.
Ich habe auf Reisen immer ein Multifunktions-Tuch dabei. Im Grunde ein hübsches 140 × 100 cm Baumwoll-Leintuch mit Blumendruck, das wenig Platz braucht, weil’s echt dünn ist, aber ständig im Einsatz ist.
Warum es essenziell ist: Es funktioniert als leichte Decke in diesen absurd runtergekühlten Bussen oder Fliegern. Als Strandtuch, das sich leicht ausschütteln lässt und auch leicht trocknet. Und ja, als Handtuch habe ich es auch schon ein paar Mal missbraucht, wenn sonst keines vorhanden war.
Mein Tuch ist irgendwann auf Hawaii in meinen Besitz gewandert, aber das ist nebensächlich. Wichtig ist: dünnes Material, leicht zum Zusammenrollen. Alles klar?
Vorweg: Ich bin nicht die richtige Person, wenn es um ultraleichtes Packen geht. Jeder, der mir schon länger folgt, weiß: Ich schleppe zu viel mit, weil ich für alle Klimazonen und Eventualitäten gerüstet sein will und wahrscheinlich auch den letzten Rest Kontrollfreak nicht aus mir rausgekriegt habe. Was ich aber gelernt habe: Den Airlines schenke ich nichts.
Meist Bikinis, mein dünnes Tuch (siehe oben), Jeans … Am Ende habe ich ein ganz normales „Komfortkissen“. Für die Airline ist das ein persönlicher Gegenstand, fertig. Und ich gewinne locker ein oder zwei Kilo, ohne Taschen außen an mir festzuschnallen oder wie ein wandelnder Kleiderständer im Michelin-Look auszusehen.
Einer der einfachsten Reise-Tricks ist gleichzeitig einer der unterschätztesten: zumindest einmal am Tag mit einem Local sprechen. Auch die Schüchternen schaffen das!
Der Tipp: Egal ob Rezeptionist:in im Hotel, Airbnb-Vermieter:in, Taxifahrer:in oder die nebenstehende Person in der Bäckerei. … wenn die Sprachbarriere nicht riesig ist, versuche ich immer, ein paar Worte zu wechseln. Und wenn das gut klappt, frage ich nach dem Namen (sich mit Namen zu kennen schafft sofort Verbindung) und nach einem Tipp. Wo ist ein gutes Restaurant/Imbissstand, das die Person empfehlen kann? Eine Ecke, die nicht jeder kennt, die aber sehenswert ist? Welcher Park ist gut zum Sitzen und Schauen?
Ich versuche beim Reisen bzw. beim Alleinreisen, Ankünfte mitten in der Nacht zu vermeiden. Nicht aus Angst, sondern aus Erfahrung: Nachts ist man müde, überreizt und alles wirkt schnell stressiger, als es ist. Eine neue Unterkunft im Dunkeln zu betreten, wenn man eigentlich nur schlafen will – mein persönlicher Albtraum. Kleinigkeiten kippen schneller ins Dramatische, einfach weil die Energie weg ist.
Bei Tageslicht kommt man ganz anders an. Man sieht, wo man gelandet ist, kann die Gegend kurz erkunden, etwas essen gehen und ein Gefühl für den Ort entwickeln. Statt sofort in dieses „Wo bin ich hier eigentlich?“-Gefühl zu rutschen, startet man ruhiger.
Und mir ist klar, dass sich das nicht immer perfekt planen lässt. Aber wenn man die Wahl hat, macht eine Ankunft am Tag den Einstieg in einen neuen Ort deutlich angenehmer.